Mama

Kein Wort ist schöner. Keine Sehnsucht ist größer.

Liebe Freundin

Als Therapeutin mit Praxis im Kinderwunschzentrum Stuttgart weiß ich um die Bemühungen, die Frauen und Paare täglich auf sich nehmen, um endlich ihr kleines Baby in Händen halten zu können. Einigen ist es nicht vergönnt auf natürlichem Wege schwanger zu werden und so beginnen sie die Reise der künstlichen Befruchtung. Der Prozess ist physisch, psychisch und finanziell fordernd und die Chancen der Behandlung sind oft gering. Doch die Sehnsucht des Herzens ist so groß, dass nichts sie zu stillen vermag, außer dem erhofften Ergebnis: Eine Schwangerschaft.

Nun möchte ich dir an dieser Stelle Hoffnung schenken. Die Fälle von Unfruchtbarkeit bei sonst vollkommen gesunden Paaren ist in den letzten Jahren rasant gestiegen und scheint sogar noch an Fahrt hinzu zu gewinnen. Ursachen scheint es dafür einige zu geben. Höheres Alter, Übergewicht, zu enge Boxershorts, Hormonrückstände im Wasser... die Liste ist lang, doch eine wirkliche Antwort hat oft niemand. Und auch wenn ein guter Wasserfilter und eine gute körperliche Fitness sicherlich unterstützend wirken, habe ich in meiner Praxis die Erfahrung gemacht, dass der eigentliche hinderliche Faktor oft viel tiefer liegt, als nur die zehn Kilo Übergewicht.

Den Frauen, die zu mir kommen, stelle ich immer die eine Frage:

"Hast du die Teile in dir beleuchtet, die kein Kind möchten?"


Diese Frage wird wirklich nicht gerne gehört, ist aber entscheidend für alle weiteren Schritte.

Frauen die zu mir kommen, haben oft schon alles versucht, was in ihrer Macht steht und oft auch schon hohe Geldbeträge investiert um schwanger zu werden. Sie zweifeln an sich, empfinden sich oft als fehlerhaft und würden Berge versetzen, um endlich schwanger zu werden. Man kann also getrost davon ausgehen, dass sie es ernst mit dem Kinderwunsch meinen. Es geht bei dieser Frage also nicht um einen Vorwurf. Sie wird auch nicht sinnlos in den Raum gestellt. Sie verfolgt den Zweck, den verdeckten Vorteil in der Unfruchtbarkeit zu finden.

Auch bei diesen Worten ernte ich oft böse Blicke, aber das ist in Ordnung. Wir sind auf dem Weg zur Lösung.

Welchen Vorteil soll eine Frau daraus ziehen nicht schwanger zu werden, wenn sie es doch unbedingt will? Nachfolgend ein  Beispiel aus der Praxis, das dieses Phänomen näher erklärt. (Mit freundlichem Einverständnis der Patientin. Namen und Alter sind verändert.)

Lisa S., 37,seit 10 Jahren glücklich verheiratet, körperlich fit, finanziell abgesichert, zufrieden mit ihrer Arbeit, versucht seit 6 Jahren erfolglos schwanger zu werden. Seit 2 Jahren versuchen sie und ihr Mann es, ebenfalls erfolglos, mit künstlicher Befruchtung. Beide Partner sind fruchtbar, es gibt keine auffindbaren größeren Probleme und doch klappt es nicht. Als Lisa nun also in der Praxis sitzt ist sie sichtbar aufgewühlt. Der Gedanke, dass ein Teil von ihr unterbewusst kein Kind möchte, oder die Empfängnis sogar gezielt verhindern könnte, erscheint ihr absurd.

Im weiteren Gespräch erzählt sie stolz, dass sie seit ihrem sechzenten Lebensjahr im Familienbetrieb arbeitet, den ihr Vater gegründet hat. Sie kennt jeden Prozess, jeden Handgriff und jedes Produkt auswendig. Als Einzelkind geboren, war es immer klar, dass sie den Familienbetrieb eines Tages übernehmen würde. Mit 29 Jahren, als sie bereits die stellvertretende Leitung besaß, wurde dieser Wunsch ihres Vaters viel zu früh Realität. Er starb unerwartet an einem Herzinfarkt und sie übernahm von einem Tag auf den nächsten die Leitung des Unternehmens.

Der Job nimmt den Großteil ihrer verfügbaren Zeit ein, doch das stört sie nicht. Sie liebt ihre Arbeit und sie hatte eine sehr tiefe und liebevolle Beziehung zu ihrem Vater. Das Unternehmen stellt eine große Verbindung zu ihm Vater dar und ihr Erfolg, so meint sie, würde ihn sicher mit Stolz erfüllen.

Auf die Frage wie ein Baby in ihren Arbeitsalltag hineinpassen würde, kommt sie kurz ins Stocken. Sie schafft das schon! So die Aussage. Zusammen mit dem Mann, einer Nanny und der Oma. "Ich habe ein ganzes Team um mich."

Sie ist eine willensstarke Frau, die weiß, wie sie bekommt, was sie will. Nur scheint das beim Kinderwunsch nicht ganz so zu funktionieren. Je weiter die Unterhaltung voranschreitet, je tiefer sie geht, umso mehr christallisiert sich ihr Zweifel heraus, weder dem Kind, noch dem Unternehmen (und damit ihrem Vater) gerecht werden zu können. Doch etwas noch interessanteres stellt sich dabei heraus.

Tief in ihr sitzt ein Teil, der den Vater schrecklich vermisst und die einzige, noch bestehende, Verbindung zu ihm darin sieht, jede verfügbare Minute ihrer Zeit in das von ihm gegründete Unternehmen zu stecken. Ein Baby würde diese Verbindung empfindlich stören. Dieser Teil, der den Verlust des Vater noch nicht verarbeitet hat, lehnt eine Schwangerschaft und damit ein Baby wehement ab. Der verdeckte Vorteil liegt in dieser Situation darin, dass dieser Teil in Lisa den Vater so kein weiteres Mal verlieren muss.

Als diese Erkenntnis einsickerte, flossen die Tränen. Es machte Sinn. Sie hatte den Verlust ihres Vaters nie wirklich verarbeiten können. Sie musste immerhin sofort die Leitung des Unternehmens übernehmen. In der anschließenden Hypnose, war sie in der Lage, den Trauerprozess nochmals zu durchlaufen und diesmal abzuschließen. Sie konnte Frieden schließen mit dem Tod ihres Vaters und verstand, dass nicht ihr Erfolg oder das Unternehmen es waren, das sie miteinander verbanden. Vielmehr bestand die Verbindung in der tief empfunden Liebe zueinander, die ungeachtet anderer Faktorer immer bestehen würde.

Nach der Sitzung nahm Lisa einige Änderungen im Unternehmen vor, sprach zwei längst überfällige Beförderungen aus und trat selbst einiges kürzer. Eine längere Urlaubsreise und vier Monate später war sie schwanger. Es wurde ein Junge.

Liebe Freundin

Beispiele dieser Art habe ich viele und doch gleicht kein Fall dem anderen. Nicht immer ist die Psyche der alleinige Grund. Oft liegt eine Kombination aus verschiedenen Gründen vor, die unterschiedlich gewichtet sind. Nichts desto trotz ist es immer von Vorteil, die psychischen Faktoren beim Kinderwunsch mit zu berücksichtigen.

Ich bin der Überzeugung, dass unser Körper unser bester Freund ist. Stets darum bemüht uns zu schützen und liebevoll durchs Leben zu tragen. Gleichzeit ist er ein Canvas der Psyche. Wie auf einer Leinwand malt die Psyche Bilder im und auf dem Körper. Bilder, mit denen sie unsere Aufmerksamkeit erlangen möchte.
Manchmal sind sie schön, manchmal sind sie traurig. Zwei Dinge sind dabei jedoch stets zu beachten:
1. Die Bilder haben immer einen Zweck. Und  2. Sie sind nur eine Momentaufnahme. Hören wir auf unseren Körper, widmen wir uns dem (Krankheits-)Bild und begreifen es, so bekommen wir die Möglichkeit darauf zu reagieren und es neu zu gestalten. Das traurige Bild muss keines bleiben.

Ein geliebter Mensch sagte einst zu mir:
"Morgen ist ein neuer Tag. Mit dem Morgen kommt eine neue Chance."

Ich sage dir heute:
"Morgen ist ein neuer Tag. Und mit dem Morgen kommt ein neues Bild."
Wenn du es möchtest, begleite ich dich von Herzen gerne auf deiner Reise.

Seh ich bei Nacht hoch zum Himmelszelt,

seh ich das Licht in dieser Welt,

seh das Strahlen der tausend Sterne,
und die Hoffnung in weiter Ferne,
eines der Lichter käme zu mir,
wäre die kleine Seele von Dir,
gäb meinem Leben ein Glück dazu,
mein unempfangenes Wunschkind, Du!

Seh ich bei Tag die Sonne scheinen,
oder den Himmel für mich weinen,
wünsch ich ein Strahl, ein Regentropfen,
könnte an meine Seele klopfen,
Ein Schneeflöckchen, ein Wolkenstück,
brächten mir ein großes Glück,
wehte Dich zu mir, der Sommerwind,
Du, mein unempfangenes Wunschkind.

Hör ich am Meer die Wellen rauschen,
kann ich der Sehnsucht in mir lauschen,

sehe die Muscheln, den Sand, die Steine,
freu mich auf Dich, obwohl ich weine,
umschmeichelt mich ein Lüftchen am Strand,
wie eine unsichtbare Kinderhand,
als wärst Du den Weg zu mir schon gegangen,
Du, mein Wunschkind, unempfangen.